Ziele der Gestaltung regionaler Lernkulturen


Die Zielstellung für die Gestaltung der Lernkultur in einer Region hängt nicht nur von den Besonderheiten einer konkreten Region, sondern auch von den unterschiedlichen „Blickwinkeln“ derer ab, die an dieser Gestaltung beteiligt sind und auf die sich die Ergebnisse von Gestaltungsprozessen auswirken. Ein Schüler wird andere Ziele formulieren als ein Minister, und ein Unternehmer hat vermutlich andere Erwartungen an die Gestaltung der Lernkultur als der Leiter einer Allgemeinbildenden Schule.   Mit diesem Handbuch wollen wir daher auch unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, die mit ihren Kompetenzen zur Gestaltung der Lernkultur beitragen können. 

Eine Weiterentwicklung der Kultur des Lernens kann für alle an Lernprozessen Beteiligten neue Möglichkeiten eröffnen und vorhandene Potenziale besser erschließen.  


Für die Lernenden – vom Vorschulalter bis zum Ruhestand – können besonders folgende Ziele erstre­bens­wert sein:

  • Das Lernen muss Spaß machen.

  • Das Verhältnis der Lernenden zueinander sollte aufgeschlossen und kameradschaftlich sein.

  • Die Lernorte sollten lernfreundlich gestaltet und optimal ausgestattet sein.

  • Das Erreichen der Lernorte sollte nicht zur Strapaze werden.

  • Das Lernen muss unmittelbar oder mittelbar zu Erfolgserlebnissen führen.

  • Tätigsein (einschließlich des Spielens) und Lernen sollten verknüpft sein.

  • Das Lernen sollte zunehmend wert- und handlungszentriert erfolgen.

  • Das Lernen und die Ergebnisse des Lernen müssen gesellschaftliche Anerkennung finden.

  • Individuelle Lernarrangements sind zu ermöglichen.

  • Das Lernen sollte zunehmend selbst gestaltet und selbst verantwortet erfolgen.

  • Zu den Lehrenden sollte sich zunehmend ein partnerschaftliches Verhältnis ent­wickeln. Der Lehrende sollte dabei zum Lernbegleiter werden. 

  • Die erworbenen Kompetenzen sollten zertifiziert und weltweit anerkannt sein.


Für die Lehrenden wären unter anderem folgende Ziele anzustreben:

  • Der Beruf der Lehrerin / des Lehrers (von der Vorschule bis zu den Hochschulen) muss (wieder) die gebührende gesellschaftliche Anerkennung finden.

  • Eine Stärkung der Autorität der Lehrenden ist unumgänglich.

  • Die Aus- und Weiterbildung der Lehrenden muss an die realen Anforderungen des Berufslebens angepasst werden.

  • Die Lehrenden sollten in ihrer Arbeit auf die Dienstleistungen von Forschungs- und Transferinstituten zugreifen können, um in aktuellen Problemsituationen und bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen effektive Unterstützung zu erhalten.

  • Bei der Gestaltung der Lehr- und Lernkonzepte ist ein optimaler Gestaltungsfreiraum zu ermöglichen.

  • Die Lehrenden müssen die Chance und die Bedingungen erhalten, sich zu partnerschaftlichen Lernbegleitern zu entwickeln.

  • Das Zusammenwirken zwischen den Lehrenden unterschiedlicher Fachgebiete und zwischen den Lehrenden und den Unternehmen sowie gesellschaftlichen Einrich­tungen sollte ein bereichsübergreifendes, die allgemeine Handlungsfähigkeit fördern­des Lehren und Lernen fördern.

  • Die eigene berufliche Zukunft sollte kalkulierbar sein.


Für die Universitäten, Fachhochschulen und Landesinstitute, die für die Aus- und Wei­ter­bildung der Lehrenden zuständig sind, ist folgende Zielstellung relevant:

  • Die Institutionen sollten regionale Akzeptanz finden und als anerkannte Partner in die regionalen Strukturen eingegliedert sein.

  • Forschung und Lehre sollten zu international beachteten Erfolgen führen.

  • Die Zukunft der Institutionen sollte kalkulierbar sein.

  • Eine relative Kontinuität der Rahmenbedingungen verbunden mit zukunftsorientierten  Veränderungs­möglichkeiten sollte gewährleistet sein.

  • Lehr- und Lernförderliche Bedingungen sind zu ermöglichen.

  • Die Studierenden bzw. die sich Weiterbildenden sollten den Beruf als Berufung an­sehen und über die erforderliche Eignung verfügen.


Für die Bildungsinstitutionen - in allen Phasen des lebensbegleitenden Lernens – sind besonders fol­gen­de Ziele bedeutsam:

  • Die einzelnen Bildungseinrichtungen sollten eine klar abgegrenzte und gleichzeitig aufeinander abgestimmte Funktion in der Struktur der regionalen Lernkultur erfüllen können.

  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Finanzierungs- und Förder­instru­mentarien sollten bei der Gestaltung der Lehr- und Lernkonzepte ist einen optimalen Gestaltungsfreiraum ermöglichen.

  • Die Bildungseinrichtungen müssen die Chance und die Möglichkeiten erhalten, sich zu partnerschaftlichen Lernbegleitern zu entwickeln.

  • Die Bildungseinrichtungen sollten in ihrer Arbeit auf die Dienstleistungen von For­schungs- und Transferinstituten zugreifen können.


Für die Unternehmen sind folgende Ziele zu berücksichtigen:

  • Die Lernkultur im Unternehmen ist in enger Wechselwirkung zur Unternehmenskultur zu entwickeln.

  • Die Lernkultur muss einen wirksamen Beitrag dazu leisten, die Beschäftigten zu befähigen, kontinuierlich Produkt-, Verfahrens- und Dienstleistungsinnovationen her­vor­zubringen und wirksam auf den regionalen und internationalen Markt zu positionieren.

  • Die Unternehmen müssen durch die Gestaltung der Unternehmens- und Lernkultur dazu beitragen, dass alle Beschäftigten in das Erkennen und Präzisieren lern­for­dernder Situationen einbezogen werden und aktiv am Initiieren von Veränderungs- und Wandlungsprozessen beteiligt sind.

  • Die Unternehmen müssen lernförderliche Bedingungen für Beschäftigten in allen Hierarchieebenen des Unternehmens schaffen. 

  • Arbeits- und Lernprozesse sind als einheitlicher Prozess zu gestalten.

  • In der Gestaltung und Zertifizierung der Lernprozesse ist eine optimale Übereinstimmung von Beruflichkeit und Betrieblichkeit anzustreben.

  • Mit den Bildungsinstitutionen, die sich zunehmend zu Lerndienstleistern entwickeln, sind enge Vertrauensverhältnisse aufzubauen, die es u. a. ermöglichen, arbeitspro­zess­integriertes Lernen, Lernen aus „Störungen“, Lernen in Innovationsprozessen und ein externes Aus- und Weiterbildungsmanagement zu realisieren.

  • Unternehmen müssen befähigt werden, ihr Fachkräftepotenzial über eine kontinu­ier­liche Aus- und Weiterbildung vorausschauend und ausreichend heranzubilden.  


Für die Forschungs- und Transfereinrichtungen erwächst bei der Gestaltung der regio­nalen Lernkultur eine besondere Verantwortung, die mit der Chance verbunden ist, inter­nationale Forschungsergebnisse und eigene Erkenntnisse in die Arbeit der einbe­zogenen regionalen Akteure zu übertragen. Dabei sind folgende Ziele anzustreben:

  • Gewährleitung einer kontinuierlichen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten, Arbeits­fähigkeit.

  • Die Forschungs- und Transfereinrichtungen sind auf das Ziel zu orientieren, die regionalen Akteure bei der weiteren Gestaltung der Lernkultur besonders durch folgende Leistungen zu unterstützen:

           -  Transfer internationaler Erfahrungen in die Region
           -
  Mitwirkung beim Aufbau regionaler Netzwerke
           -
  Vernetzung der Netze
           -  Entwicklung von Synergieeffekten zwischen den Projekten
           -  Beratung und Weiterbildung der regionalen Akteure
           -  Mitwirkung beim Aufbau von Qualitätssicherungssystemen
           -  Verbesserung der Transparenz der Angebote der Bildungsdienstleister
           -  Entwicklung einer konsequenten Kundenorientierung und damit zur Entwicklung
              von der Angebots- zur Nachfrageorientierung
           -  Initiierung konkreter bildungsbereichsübergreifender Maßnahmen, die sowohl formales,
              nichtformales als auch informelles Lernen beinhalten
           -  Entwicklung von Zertifizierungsgrundlagen, die die Anerkennung auch von informel
              erworbenen Lernleistungen unterstützen


Für die Ministerien und Ämter ergeben sich im Rahmen der Gestaltung der regionalen Lernkultur u. a. folgende Ziele:

  • Die Ministerien und Ämter müssen über die Kompetenzen und (finanziellen) Möglich­keiten  verfügen, die Rahmenbedingungen für eine zukunftsorientierte Gestaltung der regionalen Lernkulturen zu gewährleisten.

  • Die Ministerien und Ämter sollten dazu beitragen, dass Bildung als wichtiges Element des Profils der Region anerkannt wird.  

  • Die Ministerien und Ämter sollten in ihrer Arbeit auf die Dienstleistungen von For­schungs- und Transferinstituten zugreifen können.

Eine Weiterentwicklung der Kultur des Lernens kann und muss mehr bewirken, als die genannten Potenziale und Möglichkeiten für einzelne Zielgruppen zu erschließen. 

Die Zielstellung für die Gestaltung regionaler Lernkulturen ergibt sich aus der generellen Funktion des Lernens und der Lernkultur bei der Entwicklung der Wirtschaft, der Wissenschaft, des Arbeitsmarktes, der sozialen Strukturen und der Kultur. Die Entwicklung der Lernkultur entscheidet langfristig und maßgeblich über die Wettbe­werbs­fähigkeit der Unternehmen und über die Beschäftigungssituation in den einzelnen Regionen.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft wird vor allem dadurch bestimmt, wie es gelingt, kontinuierlich Produkt-, Verfahrens- und Dienstleistungsinnovationen hervorzubringen und wirksam auf den regionalen und internationalen Markt zu positionieren.

Innovationen bedeuten Veränderungen – und Veränderungen setzen Lernen voraus.

Das Lernen und die Kultur des Lernens bestimmen also letztlich die Entwicklung einer Region.

Die wirtschaftliche Entwicklung einer Region ist andererseits die Grundlage für die erfolgreiche Gestaltung der Lernkultur.


Diese – allgemein bekannt und akzeptierte - Wechselwirkung zu gestalten, erfordert das gemeinschaftliche Handeln aller regionalen Akteure und aller Politikfelder.

Die Gestaltung der regionalen Lernkultur ist daher besonders auf folgende Ziele gerichtet:

  • Die regionale Lernkultur ist so zu gestalten, dass sie wirksam die Veränderungs­fähigkeit und Veränderungsbereitschaft der regionalen Akteure und Infrastrukturen fördert.

  • Die regionale Lernkultur ist so zu gestalten, dass sie strategisch und auf aktuelle Situationen reagierend die Entwicklung der Region beeinflusst.

  • Die regionale Lernkultur ist so zu gestalten, dass sie die Aneignung von Werten, Normen und Kompetenzen aller Einwohnerinnen und Einwohner der Region allseitig fördert.

  • Die regionale Lernkultur muss einen wirksamen Beitrag zur Entwicklung des lebenslangen Lernens leisten.

  • Die regionale Lernkultur muss alle Phasen des lebenslangen Lernens von der Vorschulzeit über die allgemeinbildenden Schulen und die berufliche Bildung bis zur Zeit nach dem aktiven Arbeitsleben als einheitlichen Prozess betrachten. 

  • Die regionale Lernkultur ist so zu gestalten, dass sie die Entwicklung der Unter­nehmenskultur – und dabei insbesondere die Innovationsfreundlichkeit, die lernför­der­lichen Arbeitsinhalte und -bedingungen, das betriebliche Bildungssystem – unterstützt.

  • Die regionale Lernkultur ist so zu gestalten, dass sie

  • Die regionale Lernkultur ist so zu gestalten, dass sie konsequent den Transfer der Erkenntnisse aus Lernprozessen gewährleistet.

  • Die regionale Lernkultur ist so zu gestalten, dass sie die in Lernprozessen entwickelten Innovationen über den Projektabschluss hinaus nachhaltig genutzt werden.

 Die Lernkultur muss insgesamt zur allseitigen Entwicklung der Regionen und Nationen beitragen
 

itf Innovationstransfer- und Forschungsinstitut für berufliche Aus- und Weiterbildung Schwerin