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Modellversuch MARITIM
Sicherung des Fachkräftebedarfs im Servicebereich der maritimen Freizeittechnik durch Nutzung der Flexibilitätsspielräume in der Aus- und Weiterbildung
download  - BIBB-Infoblatt 1/2004 (pdf-Datei 155 KB)

- BIBB-Infoblatt 2/2005 (pdf-Datei 252 KB)

- BIBB-Infoblatt 3/2006 (pdf-Datei 625 KB)

- itf - Heft Nr. 40 / 2007 "Weiterbildung in der Region"
 
"Flexibilisierung und verändertes Lernen in der beruflichen Bildung
   im Aus- und Fortbildungszentrum Schiffahrt und Hafen GmbH Rostock
"
   download  (pdf-Datei 2,2 MB)
 
- 1. Zwischenbericht - Januar 2005
- 2. Zwischenbericht - Januar 2006
 

Ausgangssituation
Der Tourismus im Allgemeinen und der Wassertourismus im Speziellen boomen in Deutschland. Jährlich nutzen mehr Menschen die touristischen Angebote, verbringen mehr Deutsche ihren Urlaub im eigenen Land und kommen mehr Ausländer, um die vielfältigen touristischen Angebote zu nutzen. Die Zahl der Übernachtungen z.B. stieg in Deutschland von 1997 bis 2003 um 9,7%.

     
  Wirtschaftsminister des Landes
Mecklenburg-Vorpommerrn
Dr. Otto Ebnet bei der Übergabe der Zuwendungsbescheide

 

   

Eine besondere Bedeutung dabei nimmt der Wassertourismus ein. Deutschland verfügt über ca. 23.000 km² Küstengewässer,  2.400 km Küste und 18 Inseln. Ein Wasserstraßennetz von rund 10.000 km Länge und unzählige Seen und Seensysteme zwischen Alpen und den Küsten, die zudem  mit allen europäischen Nachbarn vom Mittelmeer bis zum Schwarzen Meer verbunden sind, ergeben eine der größten und schönsten Gewässerlandschaften in Europa. Allein acht der dreizehn deutschen Nationalparks liegen am Wasser bzw. schließen große Wasserflächen ein.

Die Nachfrage nach wasser­touristischen Angeboten ist riesig. Über 17 Millionen Deutsche fahren Kanu, Motorboot oder Wasserski, tauchen, surfen, segeln oder angeln.  Maritime Großveranstaltungen verzeichnen Besucherrekorde. (Quelle: Strategiepapier Was Wassertourismus in Deutschland 2003, dwif, Schwerin, 2003).

Neben diesem wirtschaftlichen Aspekt gewinnt der Wassertourismus somit  für alle Bundesländer auch in bildungspolitischer Hinsicht an Bedeutung, da sich auf Grund immer umfangreicherer Dienstleistungsanforderungen in dieser Branche auch neue Möglichkeiten für berufliche Entwicklungen und Fachkarrieren ergeben.

Der Modellversuch orientiert sich an den Gegebenheiten in Mecklenburg-Vor­pom­mern. Dieses Bundesland ist eines der beliebtesten Wassersportgebiete in Deutschland. Jeder dritte Bootsurlauber z.B. steuert den Nordosten an. Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, in dem die Zahl der Übernachtungen von 1995 bis 2003 stetig stieg (Zuwachs von 122,8%).

Ein im Auftrage der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern erstelltes Strategiepapier „Zukunft der maritimen Wirtschaft“ macht deutlich, dass ein großer Teil der Touristen und Wassersportler sich einer anspruchvollen Freizeittechnik bedient. Diese reicht von der modernen Angel über verschiedene Wassersportgeräte bis zur Hochseeyacht. Diese maritime Freizeittechnik verkörpert einen beträchtlichen Wert. Aus diesem Grund müssen für die von den Urlaubern des maritimen Tourismus mitgeführte Freizeittechnik Dienstleistungen im Bereich Wartung, Pflege, Reparatur, Aufbewahrung, u.a. noch stärker und umfangreicher vorgehalten und angeboten werden.

Derzeit gibt es allerdings im Servicebereich der maritimen Freizeittechnik keine spezifisch ausgebildeten Fachkräfte. Diese rekrutieren sich aus den unterschiedlichen klassischen Berufsfeldern, wie Boots-, Schiff-, Kunststoffbootsbauer, Segelmacher, Schiffsmechaniker, Konstruktions- und Anlagenmechaniker, Motorenbauer, Industrieelektroniker u.a.

Durch eine sinnvolle Strukturierung von Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen für Absolventen einer dualen Berufsausbildung muss nun eine solche berufliche Mobilität erreicht werden, dass die immer umfassenderen Leistungsanforderungen und Spezialisierungen für diesen Dienstleistungsbereich qualitativ erfüllt werden können.


Ziele des Modellversuches

Im Modellversuch wird durch das Aus- und Fortbildungszentrum Schiffahrt und Hafen mittels eines externen Bildungs- und Innovationsmanagements für einen Verbund interessierter regionaler Unternehmen der maritimen Wirtschaft unter den spezifischen Bedingungen kleinerer Unternehmen ein flexibles und differenziertes Weiterbildungssystem aufgebaut.

Durch arbeitsplatznahe oder arbeitsintegrierte Qualifizierungsangebote sollen sich Facharbeiter/‑innen innovatives, spezielles Fachwissen - hier vor allem technisches Know‑how -, sowie Methoden- und Sozialkompetenzen aneignen können.

Dabei werden neue Elemente und didaktische Möglichkeiten für die Auslösung und Bewältigung von Selbstlernprozessen in innovativen Branchen erprobt und in die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung eingebracht.

Ein gestaltungsorientiertes und gestaltungsoffenes Konzept von regionalen Bildungsinnovationen lässt sich nur dann erfolgreich implementieren, wenn es durch eine integrierte regionale Innovationspolitik und ein entsprechendes Innovationsmanagement und eine Koordination gestützt wird. Aus diesem Grund sieht der Modellversuchsansatz die Zusammenarbeit regionaler Akteure sowie nationaler und gegebenenfalls auch internationaler Partner vor, um ein sich selbst tragendes regionales Netzwerk zu etablieren.


Modellversuchsprodukte

Im Ergebnis des Modellversuches werden nachfolgende Leistungen und Produkte angestrebt:

  • eine Struktur der neuen Tätigkeitsfelder im Bereich der maritimen Freizeittechnik

  • ein transparentes und flexibles Weiterbildungssystems für Unternehmen der maritimen Freizeittechnik

  • ein didaktisch-methodisches Konzept für das Lernen und Weiterlernen im Prozess der Arbeit

  • Aussagen zu lernförderlichen (lernfordernden) Strukturen zur nachhaltigen Entwicklung eines selbstorganisierten Lernens

  • das AFZ als Kompetenzzentrum für maritime Freizeittechnik mit den Funktionen Personalauswahl, Qualifizierung, Betreuung, Coaching, Vermittlung, Begegnung, Netzwerkpflege und Innovationstransfer

Erste Analyseergebnisse im Marinabereich
Der Bereich der Marinas in Mecklenburg-Vorpommern verfügt über eine gute Ausgangsposition. Der enorme Tourismusaufschwung, die Anzahl der Beschäftigten, der Stand der Realisierungen großer Investitionsvorhaben, das vorhandene Know‑how und nicht zuletzt die Vertrauensposition bei den Kunden sind eine ausgezeichnete Basis für eine positive Entwicklung in der Zukunft.
Bundespolitisch wird der Wassertourismus in Mecklenburg-Vorpommern stark gefördert. So gilt die Charterscheinregelung dauerhaft und wird weiter ausgedehnt, werden die Beschränkungen bzgl. der Personenzahl und Fahrzeuglänge aufgehoben und werden Touristenangelschein und Aufhebung der Fischereiabgabe angestrebt.

In Mecklenburg-Vor­pom­mern gibt es derzeit ein Netz von 420 Marinas, Sportboothäfen und Anlegern mit 18.000 Liegeplätzen an der Küste und 14.000 Liegeplätzen im Binnenland. Für das Jahr 2004 ist die Eröffnung weiterer Anlagen geplant. Bis 2010 sollen nach Planung des Wirtschaftsministeriums 20.000 weitere Liegeplätze entstehen.  Allein für die Yachthäfen in Rostock und Boltenhagen sind Investitionen von 200 Mio. Euro vorgesehen.

Das Dienstleistungsangebot von aktuell 294 erfassten Anlegern und Marinas verdeutlicht das nachfolgende Diagramm. Es wird ersichtlich, dass der Bereich Versorgung/Sanitär recht gut abgedeckt wird.

Entsorgung und technischer Service sind dagegen unzureichend entwickelt. Deshalb werden sich die Schwerpunktaktivitäten des Modellversuches auf dieses Tätigkeitsfeld orientieren.

Die wissenschaftliche Begleitung im Modellversuch
In Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik vollziehen sich immer schneller Veränderungen. Auch die zunehmend stärkere Orientierung auf den Kunden erfordert spezialisierte und flexible Fachkräfte. Diesen Entwicklungen und Herausforderungen kann nur schwerlich mit Standardprodukten und -lösungen in der Aus- und Weiterbildung begegnet werden. Mit dem Modellversuch MARITIM sollen deshalb innovative didaktisch-methodische und organisatorische Konzepte für die Befähigung der Fachkräfte der maritimen Freizeittechnik entwickelt, erprobt und für den Transfer aufbereitet werden. Der Modellversuch tangiert mit einer Reihe von Problemen, die im Zusammenhang mit der Flexibilisierung der beruflichen Bildung unter den spezifischen Bedingungen von Klein- und Kleinstunternehmen in Deutschland in der Diskussion stehen. Die Innovationen liegen deshalb vor allem

  • in der Analyse und Strukturierung neuer Tätigkeiten, für die es keine Berufe gibt,

  • in der Entwicklung und Erprobung eines flexiblen Weiterbildungssystems für dynamische Tätigkeitsfelder sowie

  • in der Analyse, Erfassung und Bereitstellung lernförderlicher Strukturen in Klein- und Kleinstunternehmen.

Es geht vor allem um solche Lernkonzepte, die die Selbststeuerung und Selbstorganisation des Lernens ermöglichen und fördern sowie die individuellen Erfahrungen und Biografien der Lernenden berücksichtigen.

Neben der Erprobung innovativer inhaltlicher und methodischer Ansätze werden darüber hinaus unter anderem solche pädagogischen Probleme untersucht, wie

  • das Lernen und Weiterlernen im Prozess der Arbeit und für den Arbeitsplatz unter den Bedingungen heterogener Zielgruppen,

  • die Motivation der Lernenden für ihre aktive Rolle beim Lernen,

  • das optimale Verhältnis des Kompetenzerwerbs unmittelbar am und außerhalb des Arbeitsplatzes und die damit zusammenhängende Rolle verschiedener Lernorte und

  • die Flexibilitätsräume für Lernende zum Erwerb und zur Erweiterung der Handlungskompetenz.

Die Ergebnisse aus der Entwicklung, Erprobung und Evaluation  sollen  letztlich auch zu einer neuen Lernkultur im Prozess der Arbeit und zur Befähigung der Fachkräfte zum lebenslangen und berufsbegleitenden Lernen im Servicebereich der maritimen Freizeittechnik beitragen.

Bei der Bearbeitung der Modellversuchsschwerpunkte stützt sich die wissenschaftliche Begleitung auf die Partner in der Durchführung des Modellversuchs und auf ein verzweigtes Kooperations- und Kommunikationsnetz in der Region und mit überregionalen wissenschaftlichen und modellversuchsdurchführenden Einrichtungen.

 
 
   
 

Förderkreis für Personalentwicklung, Weiterbildung und Neue Medien e.V.